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Ich biete mobiles Hundetraining und individuelle Verhaltensberatung in Rostock und Umgebung an – unter anderem in Bentwisch, Rövershagen, Graal-Müritz, Bad Doberan, Lambrechtshagen, Elmenhorst/Lichtenhagen und Sanitz.

Ich dachte, ich würde nur Hunde trainieren – Ein Einblick in meine Selbstständigkeit

Die Erlaubnis vom Veterinäramt und eine Gewerbeanmeldung, mehr braucht es nicht. Zumindest war das ganz zu Anfang meine -zugegeben sehr naive- Vorstellung, als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, mich als Hundetrainerin selbstständig zu machen. 

Natürlich war mir klar, dass da noch ein paar Dinge mehr dazugehören. Aber wie viel und wie umfangreich das werden würde, das habe ich bei weitem unterschätzt. Das grobe Gerüst stand relativ schnell. Ich brauche Versicherungen, klar. Berufshaftpflicht und vielleicht auch ne Rechtsschutz sind sicher sinnvoll. Aber was ist mit meiner privaten Unfallversicherung? Deckt die auch Unfälle ab, die in Trainingssessions mit Kund*innen-Hunden passieren? Und ist mein privates Fahrzeug versichert, wenn ich damit beruflich unterwegs bin? Und wie läuft das jetzt eigentlich mit der Krankenkasse? Bin ich als Selbstständige automatisch privat versichert? 

Dass ich mich auf den Austausch mit verschiedenen Behörden gefasst machen musste, war mir auch klar. Aber dass ich auch jetzt, fünf Monate nach Eröffnung meines Unternehmens immernoch Anträge ausfüllen und das drölfzigste Formular einreichen muss, wusste ich nicht. Ich brauchte ein Geschäftskonto, logisch. Aber welches ist das beste? Welche Bank bietet die besten Konditionen und ist es, gerade am Anfang, sinnvoller, eine Grundgebühr zu haben oder pro Geldtransfer eine kleine Summe zu zahlen? Und macht ein*e Steuerberater*in Sinn oder schaff ich die Buchhaltung allein?

In dutzenden Webinaren und Artikeln der IHK und diverser Gründer*innen-Plattformen wurde mir eingetrichtert, ich bräuchte einen Businessplan, auch unabhängig von irgendwelchen Zuschüssen. Okay, aber woher zum Geier soll ich als frisch gebackene Trainerin denn wissen, wie viel Gewinn ich in den ersten zwei Geschäftsjahren einfahren werde? Das kann ich nichtmal schätzen! Und überhaupt - selbst die Preiskalkulation ist ja schon eine Hürde für sich. Die Kosten, die sich insgesamt als deutlich höher entpuppten, als erwartet, müssen gedeckt, Ausbildungs- und Fortbildungsgelder wieder rausgeholt werden und am Ende soll ja idealerweise auch noch ein bisschen Plus rauskommen. Gleichzeitig dürfen die Preise aber auch nicht zu hoch sein, sonst vergrault man sich die potentiellen Kund*innen schon beim ersten Blick auf die Website.

Apropos Website. Trotz mehrerer IT-ler in meinem Freundeskreis habe ich mir (fast) alles Wissen zum Aufbau von Websiten selbst erarbeitet. Wie viele hunderte Stunden in meiner Seite stecken, wie oft ich schon dachte: So, fertig!, nur um dann doch noch wieder Dinge zu ergänzen, zu verändern und anzupassen, zu verschieben oder komplett rauszunehmen und gefühlt nochmal komplett neu anzufangen. Im Erstellen von Webseiten fühl ich mich inzwischen als Vollprofi – jaja, Dunning Kruger lässt grüßen. ;) Habt ihr schonmal von SEO gehört? Ich bis vor ein paar Monaten auch nicht. Ich kann euch nur sagen, es widerspricht völlig dem, was ich im Deutschunterricht damals gelernt habe: Wortwiederholungen tunlichst vermeiden. Und dann ist da noch die Sache mit den AGB, dem Datenschutz und dem Impressum. Letzteres muss bitte natürlich auch auf sämtlichen Social-Media-Profilen zu finden sein.

Dann ist da noch das Marketing. Die größte Herausforderung, wenn man gerade ein Gewerbe eröffnet hat, ist wohl die Sichtbarkeit und das Akquirieren von Kund*innen. Wo schalte ich also Werbung? Welche Branchenbücher sind sinnvoll? Lohnt sich Google Ads und wie funktioniert das überhaupt? Sind Flyer und Aushänge noch zeitgemäß? Und ist es schlau, sich auf eine der dutzenden Werbemails für Kooperationen einzulassen, die permanent ins Haus flattern?

Es braucht Rechnungen, Mahnungen, Vordrucke für Gutscheine. Eine EÜR muss angelegt und Fahrtenbücher erstellt werden. Für die Anamnesebögen braucht es einen geeigneten Anbieter und für Videocalls ein eingerichtetes Konto. Und bei alledem bitte auch immer den Datenschutz im Hinterkopf haben. 

Und dann sind da noch die kleinen Hindernisse, die immer und überall auf einen lauern und nur darauf warten, sich dir in den Weg zu stellen. Wusstet ihr beispielsweise, dass es Unterschiede bei QR-Codes gibt? Es gibt offensichtlich einmal sogenannte statische QR-Codes, die man einmalig erstellt und die dann einfach bis in alle Ewigkeit existieren. Und es gibt scheinbar aber auch sogenannte flexible QR-Codes, die sich jederzeit uns immer wieder anpassen und verändern lassen. Diese letztgenannten sind scheinbar auf Servern hinterlegt, für deren Nutzung man letztlich ein Abo abschließen muss. Und dreimal dürft ihr raten, wer das nicht wusste und sich gerade erst enthusiastisch einen QR-Code ans Auto geklebt hat, nur um zwei Tage später eine Mail zu bekommen, dass die Probezeit ausläuft und das Abo dann künftig 12 Euro kosten würde. Zwölf Euro! Für einen QR-Code!! 

Ja, es gab wirklich schon Momente, in denen mir alles zu viel wurde und ich mich gefragt habe, warum ich mir das ganze eigentlich antue. Selbstständig zu sein ist anstrengend und ich habe vieles unterschätzt. Monate voller Recherche, ständige Bürokratie, permanente Webseitenpflege, etliche Weiterbildungen und viel Organisation - all das steckt hinter den 60 Minuten Training. Aber es macht auch verdammt viel Spaß (und wenn es das Lachen über die eigenen Fauxpas ist) und ich merke, wie ich daran wachse. Und ich bin verdammt stolz auf mich!

Arbeitsplatz einer selbstständigen Hundetrainerin

Veröffentlichung: 01.10.2026

Woran erkennst du eine gute Hundeschule?

Vor dieser Frage stehen viele Hundehalter*innen irgendwann. Und aus gutem Grund, denn die Suche nach einer guten Hundeschule oder guten Trainer*innen kann sich als schwierig erweisen. Die Berufsbezeichnung allein sagt wenig über die Qualität des Trainings aus. Und auch der sogenannte 11er, also die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz, die durch das Veterinäramt ausgestellt wird, sagt nichts über das fachliche Können aus, sondern ist erst einmal nur die Mindestvoraussetzung für bestimmte Hundeberufe.

Auf ihrer Website werben viele Hundeschulen mit Slogans wie „modern“, „individuell“ und „fair“. Die Trainer*innen wirken in ihren Social Media-Auftritten sympathisch und auch die Bewertungen sind gut. Aber das allein ist kein Qualitätssiegel.

Gerade, wenn man selbst noch wenig Erfahrung im Hundetraining hat, ist es gar nicht so einfach, fachlich gute Arbeit von überzeugend verpackter, aber möglicherweise veralteter oder ungeeigneter Methodik zu unterscheiden. Deshalb möchte ich dir im folgenden ein paar Kriterien an die Hand geben, nach denen du eine Hundeschule tatsächlich beurteilen kannst.

Qualifikation - Ausbildung und Erfahrung

Hundetrainer*in kann zunächst einmal jeder werden, der den angesprochenen 11er erhalten hat. Eine Ausbildung dagegen kann grundlegendes Fachwissen vermitteln, was für eine qualitativ gute und seriöse Arbeit mit Hunden unabdingbar ist. Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhalte: Nicht jede Hundetrainer*innen-Ausbildung vermittelt dieselben Schwerpunkte oder geht gleichermaßen tief in die Materie. Regelmäßige Fortbildungen sind zudem wichtig, um sich permanent weiterzubilden und auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu bleiben. 

Hast du eine*n Hundetrainer*in im Blick, kannst du folgende Fragen stellen:

  • Welche Ausbildung hat die Trainingsperson abgeschlossen?
  • Wie lange hat die Ausbildung gedauert?
  • Welche Inhalte wurden vermittelt? Ging es auch um Lernverhalten und Verhaltensbiologie?
  • Welche Fortbildungen werden regelmäßig besucht?
  • Welche praktische Erfahrung gibt es?
  • Ist der 11er vorhanden? (Tipp: Die Erlaubnis gem. § 11 Tierschutzgesetz muss zwingend im Impressum der Hundeschule angegeben sein.)

Ein zweiwöchiger Onlinekurs kann in der Regel deutlich weniger Wissen und praktische Erfahrung vermitteln als eine fundierte Ausbildung, die sich über mehrere Monate oder gar Jahre erstreckt und praktische Ausbildungsanteile beinhaltet. Das vermittelte Wissen sollte von Lernverhalten, über Verhaltensbiologie, Körpersprache, Emotionen sowie Stress bis hin zu tierschutzrechtlichen Grundlagen reichen, um die Komplexität von Hundetraining zu verstehen.

Welche Trainingsmethoden verwendet die Hundeschule?

Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium ist die Art und Weise, wie mit den Hunden trainiert wird. Auch hier kannst du durch Nachfragen und Beobachten wichtige Anhaltspunkte feststellen. Achte auf den Umgang der Trainingsperson mit Hunden. Fühlen die Hunde sich wohl in der Nähe des Trainers oder der Trainerin? Suchen sie aktiv die Nähe? Was passiert, wenn der Hund sich nicht verhält, wie gewünscht? Gerade an den Reaktionen auf unerwünschte Verhaltensweisen erkennt man oft, wie eine Hundeschule wirklich arbeitet. 

Warnsignale können beispielsweise

  • Leinenrucke und andere aversive Einwirkungen, 
  • körperliches Bedrängen und Blocken,
  • Einschüchterung,
  • Anschreien,
  • körperliche Korrekturen 
  • körperliche Manipulationen oder 
  • gezielt genutzte Schreckreize, 

sein.

Oft muss man hier genau hinsehen, denn Leinenrucke werden nicht selten als „Leinenimpulse“ verkauft, körperliches Blocken als „Raumverwaltung“ beschönigt oder andere Euphemismen genutzt, um diese Methoden zu rechtfertigen.

Frag in der Hundeschule nach, was du machen kannst, wenn dein Hund bei einer Übung nicht mitmacht. Wird dir geraten, dass du dich einfach durchsetzen sollst, ihm unerwünschtes Verhalten nicht durchgehen lassen darfst oder ähnliches, könnte dies eine red flag sein. Ein gutes Zeichen wäre, wenn du schauen sollst, warum dein Hund das Verhalten gerade nicht zeigt oder zeigen kann und wie die Situation angepasst werden könnte, um die Übung für deinen Hund einfacher zu gestalten. 

Individuelles Training statt Standardlösungen

Individuelles Training - damit werben nahezu alle Hundetrainer*innen. Aber wird der einzelne Hund tatsächlich gesehen? Eine gute Hundeschule sollte nicht für jeden Hund dieselbe Lösung präsentieren. Relevante Faktoren sind beispielsweise

  • Alter
  • Gesundheitszustand
  • körperliches Wohlbefinden
  • emotionale Zustände und Erregungslevel
  • Lernerfahrungen
  • Persönlichkeit
  • aktuelle Bedürfnisse
  • Umwelt und Trainingssetting
  • bisherige Trainingsansätze und
  • konkretes Trainingsziel.

Wird nur das Verhalten betrachtet oder wird versucht, zu verstehen, warum es auftritt? Ein Hund, der in Hundebegegnungen nach vorn geht, kann dies aus ganz unterschiedlichen Gründen tun, beispielsweise aus Unsicherheit, Angst, Frust, Überforderung, Übererregung oder auch aus Mangel an alternativen Strategien. Das gleiche sichtbare Verhalten bedeutet also nicht automatisch, dass auch dieselbe Trainingsmethode sinnvoll ist.

Stresssignale, Überforderung und Meideverhalten

Ein weiterer wichtiger Indikator für eine gute Hundeschule ist der Umgang mit Stresssignalen von Hunden. Beobachte dafür beispielsweise in einer Schnupperstunde die anwesenden Hunde. Die folgenden Fragen können dir für die Einschätzung helfen.

  • Werden Stresssignale und Meideverhalten wahrgenommen?
  • Gibt es Pausen für die Hunde?
  • Dürfen die Hunde Abstand zueinander halten?
  • Wie wird die Schwierigkeit der Übung individuell angepasst?
  • Was passiert, wenn Hunde überfordert sind?
  • Werden die Hunde gezwungen, Situationen auszuhalten, oder gezielt in unangenehme Situationen gebracht?

In einer guten Hundeschule wird Wert darauf gelegt, dass sich die Hunde im Training wohl und sicher fühlen. Gute Trainer*innen erkennen, wenn Hunde überfordert sind und wissen, dass Lernen unter hoher Belastung deutlich erschwert sein kann. Der Hund sollte dann aus der Situation gebracht und zu einem späteren Zeitpunkt in einem angepassten Setting kleinschrittiger begleitet werden.

Natürlich kann ein Hund auch bei gutem Training aufgeregt oder angespannt sein. Aber wenn regelmäßig Angst, starke Vermeidung, Erstarren oder deutlicher Stress zu beobachten sind und darauf nicht eingegangen wird, solltest du aufmerksam werden.

Gruppenkurs oder Einzeltraining?

Nicht jedes Problem passt in einen Gruppenkurs. Für bestimmte Lernziele wie dem Aufbau alltagsgebräuchlicher Übungen (z. B. den Rückruf) können Gruppenstunden absolut sinnvoll sein. Gerade bei komplexen Verhaltensthemen ist jedoch ein individuelles Vorgehen wichtig. Einzeltraining ist dabei meist erst einmal die geeignete Trainingsform, insbesondere wenn Auslöser, Emotionen oder die Belastbarkeit des Hundes berücksichtigt werden müssen.

Zu den komplexen Verhaltensproblemen zählen beispielsweise

  • Ängste und starke Unsicherheiten
  • ausgeprägt reaktive Verhaltensweisen
  • Aggressionsverhalten
  • Probleme beim Alleinbleiben
  • Jagdverhalten
  • repetitive Verhaltensweisen und Verdacht auf Zwangsverhalten

Bei diesen Verhaltensthemen ist eine individuelle Anpassung des Trainings an die jeweiligen Auslöser sowie die Emotionen und Bedürfnisse wichtig. Auch Distanzen, Erregungsregulierung, die persönliche Lerngeschichte des Hundes und nicht zuletzt deine Sorgen und Ziele als Hundehalter*in spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das macht es schwierig, einen Kurs zu gestalten, der allen teilnehmenden Hunden und deren Menschen gerecht werden kann.

Woran erkenne ich einen guten Welpenkurs?

Fast in jeder Hundeschule werden Welpenkurse angeboten. Und gerade zur Sozialisierung mit Artgenossen oder zum Erlernen erster alltagstauglicher Signale sind diese auch sehr sinnvoll. Teilweise findet man allerdings Kurse, die reinen Welpenspielstunden gleichen. Wenn viele der jungen Hunde wild miteinander wuseln und raufen, ist es für eine Trainingsperson allein oft kaum machbar, den Überblick zu behalten. Da kann es dann schnell passieren, dass Hunde unangenehme Erfahrungen machen oder die Anwesenheit anderer Hunde mit hoher Erregung und unkontrollierter Interaktion verknüpfen. Sinnvoll ist es daher, wenn der Fokus im Welpenkurs auf ruhigen, entspannten Interaktionen liegt und die Hundekinder lernen dürfen, auch im Beisein anderer Artgenossen mit ihrem Menschen zu interagieren oder sogar gezielt lernen zu entspannen. Das legt den Grundstein für entspannte Hundebegegnungen im Alltag.

Wissen und Anleitung für dich als Hundehalter*in

Auch du als Hundehalter*in darfst natürlich nicht zu kurz kommen. In einer guten Hundeschule erfährst du unter anderem

  • was dein Hund gerade an Verhalten und Körpersprache zeigt,
  • was die Gründe dafür sein können,
  • was du tun kannst, um deinen Hund zu unterstützen,
  • warum dieser Trainingsansatz sinnvoll ist und
  • woran du erkennen kannst, ob der Ansatz funktioniert.

Auch das Beantworten von konkreten Fragen gehört unbedingt dazu. Schließlich sollst du als Hundehalter*in die notwendigen Fähigkeiten erlernen, um mit deinem Hund durch den Alltag gehen und verschiedene Alltagssituationen meistern zu können. Du sollst das Gefühl haben, deinen Hund zunehmend besser zu verstehen.

Professionell mit den eigenen Grenzen umgehen

Hundetrainer*innen müssen nicht alles können. Aber sie sollten wissen, wo ihre Fachkompetenzen liegen und an welcher Stelle ihnen das notwendige Know-how fehlt, um dem entsprechenden Mensch-Hund-Team helfen zu können. Sich Hilfe bei Kolleg*innen mit spezieller Erfahrung zu wenden oder die Hundehaltenden ggf. direkt dorthin zu verweisen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine professionelle Einschätzung der eigenen Grenzen.

Eine gute Trainingsperson sollte zudem nicht jedes unerwünschte Verhalten ausschließlich als Trainingsproblem betrachten. Bei plötzlich auftretenden Verhaltensänderungen, auffälliger Bewegungsproblematik, stark verändertem Schlaf- oder Fressverhalten oder dem Verdacht auf Schmerzen sollte sie auch eine tierärztliche Abklärung empfehlen.

Warnsignale bei Hundeschulen

Es gibt eine ganze Reihe von Warnsignalen, bei denen du vorsichtig sein solltest. Eine kurze Checkliste habe ich dir im folgenden zusammengestellt.

Du solltest hellhörig werden:

  • wenn von „Dominanz“, „Rudelführer“ oder „Alpha“ gesprochen wird. Diese Begriffe werden häufig mit veralteten Dominanz- und Rangordnungsvorstellungen verbunden. Insbesondere die Übertragung früherer, stark vereinfachter Vorstellungen von Wolfsrudeln auf das Zusammenleben mit Hunden gilt als überholt. Solche Erklärungen können komplexes Verhalten unnötig vereinfachen und dazu führen, dass Verhalten mit konfrontativen Methoden beantwortet wird.
  • wenn körperliche Strafen als notwendig dargestellt werden. Methoden, die auf Schmerz, Einschüchterung oder körperlichem Druck beruhen, können nicht nur Stress und Angst hervorrufen und das Vertrauen zwischen Mensch und Hund beeinträchtigen, sondern sind zum Teil auch tierschutzrelevant. Sie sind kein Bestandteil eines guten Trainings.
  • wenn dir versprochen wird, das Problem sei „in nur einer Stunde“ gelöst. Durch das Versprechen schneller Lösungen sollen Kund*innen gelockt werden. Individuelle Faktoren werden dabei nicht berücksichtigt. Seriöses Training kann nicht bei jedem Hund einen festen Zeitrahmen für eine Verhaltensänderung garantieren.
  • wenn grundsätzlich immer dieselbe Methode empfohlen wird. Hunde unterscheiden sich voneinander, ebenso wie die Situationen, in denen ihr Verhalten entsteht. Eine Methode, die unabhängig von auslösenden Faktoren eingesetzt wird, spricht eher für ein starres Trainingskonzept als für individuelles Arbeiten.
  • wenn dein Hund für sein Verhalten verantwortlich gemacht oder mit pauschalen Etiketten versehen wird. Solche Zuschreibungen (z. B. "der ist einfach stur") erklären nicht, warum ein Hund sich so verhält. Sie lenken den Blick weg von den Ursachen und den Bedingungen, die der Hund braucht, um ein anderes Verhalten zeigen zu können. Zudem werden sie oft als Rechtfertigung genutzt, um mit unnötiger Härte mit dem Hund zu arbeiten. (siehe auch: Warum dein Hund nicht stur, dominant oder ungehorsam ist)
  • wenn Stresssignale ignoriert werden. Wenn Anzeichen von Stress übergangen werden, kann der Hund wiederholt über seine Belastungsgrenze gebracht werden. Das kann Lernen erschweren und zu mentalem Unwohlsein führen.
  • wenn Fragen zu Methoden nicht konkret beantwortet werden (können). Du solltest nachvollziehen können, was mit deinem Hund gemacht wird und warum.
  • wenn die Trainingsperson die eigenen Grenzen nicht kennt. Professionalität zeigt sich unter anderem auch darin, die eigenen fachlichen Grenzen zu sehen und gegebenenfalls an andere Kolleg*innen oder Berufsgruppen zu verweisen.

Fazit

Eine sympathische Ausstrahlung, schöne Social-Media-Auftritte und ein paar gute Rezensionen können einen ersten Eindruck vermitteln, sind aber kein Garant für fachliche Kompetenz. Schau genau hin, wie gearbeitet wird, ob Trainingsansätze erklärt werden und welche Versprechungen gemacht werden. Du musst kein Hundetraining „studiert“ haben, um eine gute Hundeschule zu finden. Du darfst und solltest Fragen stellen: Welche Aus- und Fortbildungen wurden und werden absolviert? Welche Trainingsmethoden werden angewandt? Wie wird reagiert, wenn ein Hund unerwünschtes Verhalten zeigt? Wie wird mit Angst und Stress umgegangen? Wie groß sind die Kursgruppen? Ist der Besuch einer Schnupperstunde möglich? Wann wird Einzeltraining empfohlen? Was passiert, wenn ein Trainingsansatz bei einem Hund nicht funktioniert?

Eine gute Trainingsperson sollte dir diese Fragen nachvollziehbar beantworten und ihre Vorgehensweise verständlich erklären können. Sie sollte deinen Hund nicht auf ein bestimmtes Verhalten reduzieren, sondern ihn als Individuum mit seiner eigenen Lerngeschichte, seinen Emotionen und Bedürfnissen betrachten. Und sie sollte ihre eigenen fachlichen Grenzen kennen und bereit sein, sich Unterstützung zu holen, wenn ein Fall außerhalb ihrer Kompetenz liegt.

Letztlich geht es also nicht darum, eine Hundeschule zu finden, die dir eine schnelle Lösung verspricht, sondern darum, eine Hundeschule zu finden, der du deinen Hund anvertrauen möchtest und deren Vorgehen für dich nachvollziehbar und fachlich begründet ist.

Du darfst genau hinschauen und du darfst kritisch sein.

Trainingssituation mit zwei Hunden in der Ruheübung

Veröffentlichung: 10.09.2026

Silvesterangst beim Hund - Trainingstipps und Mythen

„Hast du schon Pläne für Silvester?“ - Diese Frage stellt vermutlich aktuell niemand, denn der Jahreswechsel ist ja noch ewig weit weg. Oder? 

Als Hundebesitzer*in mit einem geräuschsensiblen Hund sieht die Sache dagegen schon wieder anders aus, denn dann heißt es: Höchste Zeit, mit dem Silvestertraining zu beginnen!

Der Jahreswechsel wird traditionell mit einem großen Tamtam gefeiert. Bunte Raketen, die in den Himmel geschossen werden, laute Knaller, die durch die Straßen hallen - das gehört für die meisten Menschen leider einfach dazu. Und mal abgesehen von den schlimmen Folgen für die Umwelt und Wildtiere versetzt diese Tradition unsere Haustiere viel zu oft in Panik.

Warum haben Hunde Angst an Silvester?

Für viele Hunde reichen allein schon die plötzlich auftretenden, sehr lauten Knallgeräusche der Böller, um sich heftig zu erschrecken und in Stress zu geraten. Hunde haben ein viel sensibleres Gehör als wir Menschen. Dazu kommt, dass sie diese lauten Schreckreize nicht einordnen können. Aus dem Nichts knallt es plötzlich, das macht natürlich Angst. 

Zu den einzelnen Knallern in den Tagen vor und nach Silvester kommt zum Jahreswechsel ein langanhaltender Lärm aus zischenden Raketen und ganzen Salven von Böllern hinzu. Wir Menschen erfreuen uns an der Lautstärke, ganz nach dem Motto: Je lauter, desto besser. Für die Hunde ist genau dies oft die Hölle. 

Die Luft riecht nach Schwarzpulver und Schwefel und erzeugt ein unangenehmes Beißen in der Nase. Der verbrannte Geruch kann zudem einen Fluchtimpuls auslösen. Bei jeder Explosion vibriert der Boden und der Luftdruck verändert sich zusätzlich. Und die Raketen erzeugen ein kaum enden wollendes Lichtgeflacker am schwarzen Nachthimmel. Gerade die Kombination all dieser Reize kann auf die Hunde sehr bedrohlich wirken und so Ängste hervorrufen.

Dazu gesellen sich weitere Faktoren. Der Hund steckt in einer Erwartungsunsicherheit. Ein Feuerwerk ist für ihn kaum vorhersehbar, ein Knall kann jederzeit und ohne Vorwarnung auftreten. Der Hund kann weder beeinflussen, wann der nächste Schreckreiz kommt, noch ihm zuverlässig ausweichen. Viele Hunde haben bereits in der Vergangenheit schlechte Verknüpfungen mit Feuerwerken gemacht, die sich im Laufe der Zeit summieren und irgendwann zu einer ausgeprägten Geräuschangst entwickeln können. Auch nachlassende Sinnesleistungen im Alter können die Ängste zusätzlich intensivieren.

Mythen rund um die Silvesterangst

Es gibt im Hundetraining viele Mythen, die sich hartnäckig halten, aber gerade im Kontext Silvester höre und lese ich immer wieder erschreckende Ratschläge, mit denen ich gern kurz aufräumen möchte.

1. Mythos: „Da muss der Hund einfach durch.“
Angst ist eine große und extrem unangenehme Emotion, die für das Individuum sehr belastend ist. Bei Silvester ist es nicht mit einem kurzen Schrecken getan. Es wird bereits etliche Tage vorher und noch weit in den Januar hinein geböllert, sodass der Stress für die Hunde sehr langanhaltend wirkt. Erfährt der Hund dann keine Unterstützung durch seinen Menschen und hat keine Strategien, die belastende Situation zu bewältigen, kann die sogenannte Sensibilisierung eintreten - die Angst wird von Mal zu Mal schlimmer und kann sich sogar auf andere Geräusche und Situationen ausweiten, in denen der Hund bislang überhaupt keine Probleme gezeigt hat. Zudem kann auch das Vertrauen in die Bezugsperson leiden.

2. Mythos: „Wenn ich meinen Hund tröste, verstärke ich seine Angst.“
Es ist de facto nicht möglich, eine unangenehme Emotion wie Angst durch eine angenehme Form der Zuwendung zu verstärken. Ganz im Gegenteil! Empfindet der Hund die beruhigenden Worte und den Körperkontakt als angenehm, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das als Gegenspieler zur Angst wirkt und diese reduzieren kann. Entscheidend ist allerdings, dass du die Bedürfnisse deines Hundes respektierst. Manche Hunde suchen aktiv Körperkontakt, andere möchten sich lieber zurückziehen. Beides sollte möglich sein.

Das Prinzip des gegenseitigen Trostspendens ist übrigens nicht menschengemacht. Wir finden es auch in der Tierwelt wieder, als sogenannten social support.

3. Mythos: „Der Hund muss merken, dass nichts passiert.“
Das ist eine menschliche Fehlannahme. Angst entsteht nicht ausschließlich aufgrund einer direkten schlechten Erfahrung. Sie kann auch durch genetische Faktoren, fehlende Gewöhnung, Beobachtungslernen oder bereits vorhandene Verknüpfungen entstehen.

In dem Moment, in dem der Hund Angst hat, passiert ihm etwas. Er empfindet starke negative Emotionen, die ihn bereits belasten. Um das mal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Ich vermute, kaum jemand, der Angst vor Spinnen hat, hat jemals eine schlechte Erfahrung mit einem der Achtbeiner gemacht. Es ist also nie etwas „passiert“ und trotzdem haben wir Angst. 

Angst ist nicht rational. Sie ist ein Schutzreflex, bei dem der evolutionär alte Teil des Gehirns die Kontrolle übernimmt und den präfrontalen Kortex, also den logisch denkenden Teil, überstimmt – stark vereinfacht ausgedrückt. Der Hund kann also gar nicht realisieren, dass die Gefahr nicht wirklich vorhanden ist und die Angst nur in seinem Kopf stattfindet.

4. Mythos: „Vor Silvester ordentlich auspowern, dann verschläft er das.“
Was im ersten Moment recht logisch erscheinen mag, kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Körperliche oder mentale Erschöpfung bedeuten für den Hund eine starke Belastung und zusätzlichen Stress. Dieser summiert sich also mit der Angst und wird so zu einer immensen Strapaze.

Und Müdigkeit setzt die emotionale Bewertung eines Reizes nicht außer Kraft. Der Hund bekommt dadurch weder eine bessere Bewältigungsstrategie, noch lernt er, Feuerwerk anders zu bewerten.

5. Mythos: „Musik/Fernseher an und Fenster zu - dann passt das.“
Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Eine gewohnte Geräuschkulisse zu erzeugen, kann durchaus helfen. Sie mildert nicht nur die Knallgeräusche von draußen ab, sondern kann durch die vertrauten Klänge auch dazu beitragen, dass der Hund sich etwas geborgener fühlt. Das allein wird bei einem Hund mit Angst allerdings nicht ausreichen und darf höchstens als unterstützende Maßnahme angesehen werden.

Silvestertraining - Wie kannst du deinen Hund auf Silvester vorbereiten?

Wie wir oben bereits festgestellt haben, setzt sich die Kulisse an Silvester aus ganz verschiedenen Sinnesreizen zusammen: olfaktorischen, akustischen, visuellen und taktilen Reizen. Die Boden- und Luftvibrationen lassen sich nicht nachstellen. Dennoch bleibt uns die Möglichkeit, an der Bewertung des Lärms, der Gerüche und der Lichtreflexionen zu arbeiten.

Dazu können wir über eine Kombination aus Desensibilisierung und Gegenkonditionierung arbeiten, bei der negativ verknüpfte Reize in ganz schwach dosierter Form präsentiert und durch angenehme Erfahrungen wieder positiv verknüpft werden. Wichtig dabei ist, dass der Hund die Reize zwar wahrnimmt, aber noch keine Angst- oder Schreckreaktion zeigt. Hierfür ist es sinnvoll, die Reize zunächst einzeln zu bearbeiten und erst im späteren Verlauf des Trainings zu kombinieren. Die Reize in Kombination ergeben für den Hund den Kontext „Silvester“ und dieser ist bereits mit Angst verknüpft. Durch die separierte Bearbeitung der einzelnen Reize ist der Kontext ein anderer und der Hund kann neue Erfahrungen machen. YouTube-Videos eignen sich für das akustische Training. Für die Lichtblitze können das Flackern des Fernsehbildschirms oder auch Wunderkerzen genutzt werden. Letztere versprühen zudem angezündet einen schwefligen Geruch und können daher neben Streichhölzchen auch für das olfaktorische Reiztraining eingesetzt werden.

Parallel zum Training an den Auslösern können wir noch weitere Maßnahmen ergreifen. Sinnvoll ist das Etablieren eines Rückzugsortes, den der Hund mit angenehmen Erfahrungen sowie Entspannung assoziiert. Dazu können wir über Massagen, aber auch zuvor entsprechend verknüpfte Düfte oder Klänge (z. B. RelaxoPet) arbeiten. Diese sogenannten konditionierten Entspannungssignale können bei der Regulierung des Nervensystems in stressenden Situationen helfen und sollten daher in keinem Silvestertraining fehlen. Hat der Hund einen Rückzugsort, den er mit dem Gefühl „hier geht es mir richtig gut“ assoziiert, kann er diesen in Momenten der Angst aufsuchen. Auf diese Weise hat er eine aktive Bewältigungsstrategie und kann Selbstwirksamkeit erfahren.

Übungen mit einer hohen Verstärkungsgeschichte, aber auch viel Bedürfnisbefriedigung im Alltag können dazu beitragen, die Bewältigungskompetenz und die Resilienz zu steigern. Dies schafft die Basis, um stressende Situationen meistern zu können.

Wann können Medikamente sinnvoll sein?

Medikamente sind nicht, wie häufig angenommen, dafür da, den Hund zu sedieren oder ihn einfach ruhigzustellen. Aber sie können helfen, die Angst zu reduzieren. Das kann sowohl direkt in der Silvesternacht als auch im Training zuvor sinnvoll sein.

Bei stark ausgeprägter Angst kann eine medikamentöse Unterstützung mitunter sogar notwendig sein, damit der Hund überhaupt in einen Zustand gelangt, in dem Lernen möglich wird. Auch, wenn ein Medikament nur als Notlösung für den Akutfall genutzt werden soll, ist es mitunter ratsam, es zuvor auszutesten, da nicht jedes Präparat bei jedem Hund dieselben (Neben-)Wirkungen zeigt. Nur so kann ausgeschlossen werden, dass der Hund durch ein Nichtvertragen des Medikaments eine zusätzliche Belastung in der Silvesternacht erfährt.

Wann sollte das Silvestertraining starten?

Je früher, desto besser. Bei einem Hund, der bereits Angst vor Feuerwerk und co. hat, sollte das Training idealerweise mehrere Monate vor Silvester beginnen. Je ausgeprägter die Angst, desto weniger sinnvoll ist ein Last-Minute-Training.

Fazit

Silvesterangst ist keine Unart und auch nichts, was ein Hund einfach auszuhalten lernen muss. Sie ist eine echte emotionale Belastung. Je früher wir sie ernst nehmen, desto mehr Möglichkeiten haben wir, unseren Hund zu unterstützen. Gut angeleitetes Training kann helfen, die Bewertung bestimmter Reize zu verändern. Management hilft dabei, belastende Situationen zu entschärfen. Und bei starker Angst kann auch medikamentöse Unterstützung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Du bist dir unsicher, wie du das Silvestertraining mit deinem Hund sinnvoll aufbauen kannst? Kontaktiere mich gern über das Kontaktformular. Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Trainings- und Managementplan, der zu deinem Hund und seinen Bedürfnissen passt. 

Hundetraining zur Vorbeugung von Silvesterangst

Veröffentlichung: 22.08.2026

Der Spaziergang als Abenteuer für die Nase

„Jetzt komm endlich weiter!“ Wenn du in deinem Umfeld aufmerksam Menschen mit ihren Hunden beobachtest, wirst du sicher feststellen, dass viele Hundehalter*innen ihren Hund vielleicht drei oder vier Sekunden an einer Stelle schnüffeln lassen, bevor sie ihn dann weiterziehen. Und vielleicht ertappst du dich sogar selbst manchmal dabei, genervt davon zu sein, dass dein Hund schon wieder gefühlte Ewigkeiten einen Laternenpfahl beriecht und vermeintlich eure wertvolle Gassizeit verschwendet.

Aber warum ist das so?

Wir Menschen sind es gewohnt, möglichst auf direktem Weg von A nach B zu laufen und nur dann stehenzubleiben, wenn es irgendetwas interessantes zu sehen gibt oder Frau Müllermeier von gegenüber uns auf ein nettes Pläuschchen einlädt. Für unsere Hunde sieht die Welt anders aus. Sie laufen am liebsten kreuz und quer durch die Gegend, den spannendsten Gerüchen folgend - immer der Nase nach, sozusagen. Da treffen beim gemeinsamen Spaziergang also völlig unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander.

Hunde besitzen, abhängig von Größe und Rasse, etwa 100 bis 300 Millionen Riechzellen, während der Mensch etwa nur 5 bis 6 Millionen Riechzellen hat. Die Riechschleimhaut der Hunde ist um ein Vielfaches größer als die des Menschen und auch der Bereich im Gehirn, der olfaktorische Informationen verarbeitet, ist um ein Vielfaches stärker ausgeprägt, wie das des Menschen.

Warum ist Schnüffeln so wichtig für Hunde?

Hunde „sehen“ also primär mit ihrer Nase. Sie nehmen Informationen aus ihrer Umwelt hauptsächlich über Gerüche wahr. So können sie anhand feinster Geruchspartikel erkennen, welche anderen Menschen, Hunde oder andere Tiere sich dort aufgehalten haben, wie lang das her ist und in welche Richtung sie gegangen sind und erhalten zudem Informationen über Alter, Geschlecht und körperlichen Zustand des jeweiligen Individuums.

Neben der Informationsaufnahme und Orientierung in der Umwelt hat Schnüffeln aber auch eine wichtige Funktion in der Selbstbestimmung und Selbstregulation. Der Hund kann entscheiden, für welche Duftspur er sich interessiert, welche er vielleicht sogar ein Stück weit folgen möchte und wie lang und intensiv er einen Geruch beschnüffelt. Diese Handlungsfreiheit erfüllt wichtige Grundbedürfnisse und trägt damit immens zum Wohlbefinden bei.

Gerade in Stresssituationen (z. B. Hundebegegnungen, Verkehrslärm, Baustelle, etc.) kann Schnüffeln dem Hund helfen, seinen Erregungslevel wieder zu senken. Er kann langsam und völlig in seinem Tempo die Umgebung erkunden. Umweltreize können dabei als weniger bedrohlich wahrgenommen werden, weil der Hund nicht seinen kompletten Fokus darauf legt, sondern in die Aufmerksamkeitsteilung geht. Seine Augen beobachten den näherkommenden Hund, während die Nase Informationen über die Duftmoleküle liefert.

Was passiert, wenn der Hund nicht schnüffeln darf?

Wird Schnüffeln dagegen häufig unterbrochen oder eingeschränkt, dann entsteht unweigerlich Frust. Der Hund erfährt mangelnde Bedürfnisbefriedigung und das reduziert die allgemeine Zufriedenheit des Hundes. Es ist sogar möglich, dass Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Gebell in Hundebegegnungen) entstehen, die auf den ersten Blick scheinbar gar nichts mit dem Schnüffeln zu tun haben. Für den Hund ist ein Spaziergang ohne Erkundungsmöglichkeiten meist keine Bereicherung. Die Draußenzeit sollte Lebensqualität bringen, nicht nur Kilometer.

Übrigens herrscht die weit verbreitete Annahme, dass gezielte Suchspiele und Suchaufgaben (z. B. Fährtenarbeit) eine Alternative zum Schnüffeln auf Gassirunden darstellen. Dem würde ich widersprechen. Allenfalls sind sie eine Ergänzung, aber kein Ersatz. Bei der gezielten Suche kriegt der Hund vorgegeben, welchem Duft er folgen soll, und wie lange. Es fehlen dabei die Selbstbestimmung und die Entscheidungsfreiheit.

Fazit

Schnüffeln ist keine Belohnung für „Artigsein“. Schnüffeln ist auch kein Hobby, dem immer sonntags beim Mantrailing nachgegangen wird. Schnüffeln ist ein Grundbedürfnis, das täglich seine Befriedigung finden sollte, ohne Bedingungen, ohne Zeitplan.

Vielleicht sollten wir aufhören von Gassirunden zu sprechen und diese Zeit mit dem Hund vielmehr als „Draußenzeit“ benennen. Denn die Zeit, während der Hund in seine Geruchswelt abtaucht, ist nicht verschwendet. Sie ist Lebensqualität.

Hundetrainerin mit schnüffelndem Hund auf dem Spaziergang

Veröffentlichung: 11.08.2026

Verhalten verstehen: Dein Hund bellt andere Hunde an?

Du siehst am Horizont einen anderen Hund auftauchen und möchtest schon jetzt am liebsten im Erdboden versinken, weil dein Hund gleich wieder bellend und knurrend in der Leine hängt?

Was steckt eigentlich dahinter? Warum haben so viele unserer vierbeinigen Freunde ein Problem mit Hundebegegnungen?

Bellen ist Kommunikation

Wenn dein Hund bellt, dann möchte er dir etwas sagen. Hinter jedem Bellen stecken Erregung, Emotionen und Bedürfnisse. Wenn dein Hund andere Hunde anbellt, dann hat das einen Grund. Vielleicht hat dein Hund mal eine blöde Begegnung gehabt und ist daher nun unsicher, wenn er auf andere Hunde trifft. Möglicherweise fühlt er sich bedroht, weil der fremde Hund sich frontal von vorn annähert. Vielleicht möchte dein Hund auch Kontakt haben und ist frustriert, weil die Leine seinen Bewegungsradius einschränkt. Oder dein Hund kann den Fremdhund nicht richtig einschätzen, fühlt sich überfordert und ihm fehlen einfach Strategien, mit der Situation souverän umzugehen. Häufig spielen spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

Standardlösungen sind oft nicht nachhaltig – oder fair

Ein häufiger Rat ist dann, den Hund immer wieder in derartige Situationen zu bringen, damit er sich dran gewöhnt. Oder es werden Gehorsamkeits-Übungen abgefragt, in denen der Hund dann den Blickkontakt zur Bezugsperson halten und den Fremdhund ignorieren muss. Manchmal sieht man auch Hundehaltende, die ihre Hunde für das Bellen strafen, mit ihnen schimpfen oder ihnen sogar den Fang zuhalten. Und hin und wieder trifft man auch Menschen, die ihre Hunde durch Futter ablenken, sodass diese den entgegenkommenden Hund gar nicht bemerken.

Die meisten dieser Ansätze sind sicher gut gemeint. Aber wirklich nachhaltig sind sie in der Regel nicht. Entweder lenken sie den Hund ab, sodass dieser sich gar nicht mit dem Fremdhund befassen und ihn bewusst wahrnehmen kann oder sie deckeln kurzzeitig das Verhalten, ignorieren aber die Ursache, also die Bedürfnisse und Emotionen, dahinter.

Beobachtungen als Hundehalter*in

Um zu ergründen, warum dein Hund bellt und in die Leine springt, sobald sich ein anderer Hund nähert, solltest du ihn genau beobachten. Stelle dir folgende Fragen:

  • Wann tritt das Verhalten auf? Gibt es ein Muster in den Situationen?
  • Welche Distanz braucht dein Hund? Ab welcher Entfernung zum Fremdhund zeigt er das problematische Verhalten?
  • Wie ist die Körpersprache deines Hundes, bevor er anfängt zu bellen?
  • Gibt es Hundebegegnungen, in denen er nicht bellt? Inwiefern unterscheiden sich diese von den anderen?

Auch der Tagesablauf und sogenannte Hintergrundstressoren können eine wichtige Rolle spielen.

Was hilft langfristig?

Zu einem bedürfnisorientierten und nachhaltigen Hundetraining gehören nicht nur die Trainingseinheiten selbst, sondern auch Management, also Maßnahmen, die dazu dienen, das unerwünschte Verhalten nicht auftreten zu lassen, ohne dass zwingend ein Lerneffekt beim Hund eintritt. Die Kombination bildet die Basis für einen langfristigen Trainingserfolg.

Wenn du herausgefunden hast, ab welcher Distanz zum Fremdhund eine Begegnung schwierig für deinen Hund wird, kannst du dich daran orientieren. Versuche, diesen Abstand nicht zu unterschreiten - so weit es eben im Alltag möglich ist. Vielleicht kannst du auf den Grünstreifen ausweichen, die Straßenseite wechseln oder den Weg, auf dem ihr gekommen seid, ein Stück zurückgehen.

Lasse deinen Hund den anderen Hund wahrnehmen. Dein Hund darf gucken. Nur so kann sein Gehirn die notwendigen Informationen erhalten, die es ihm möglich machen, einzuschätzen, ob der Fremdhund jetzt eine potentielle Gefahr darstellt oder was dessen Absichten sind.

Alles, was besser ist als bellen und in die Leine springen, darf belohnt werden. Dein Hund muss noch kein perfektes Verhalten zeigen, aber er darf lernen, dass andere Verhaltensweisen sich lohnen. Ein positiver, und sehr wichtiger Nebeneffekt davon ist, dass dein Hund auf diese Weise den Fremdhund mit Belohnung und somit positiven Emotionen sowie freudiger Erwartung assoziiert. Die emotionale Verknüpfung von Begegnungen mit Fremdhunden soll so nach und nach von negativ in positiv verändert werden.

Baue gezielt alternative Verhaltensweisen auf. Erarbeite diese zunächst in einer Umgebung ohne viele Ablenkungen und übertrage sie dann schrittweise auch in Situationen, die für deinen Hund schwieriger sein könnten, und frage sie letztlich auch in Hundebegegnungen ab. Achte darauf, dass die Alternativverhalten weitestmöglich zu den Bedürfnissen deines Hundes passen. Wenn dein Hund unsicher ist und mehr Abstand benötigt, ist ein gezieltes Bogenlaufen sinnvoller als ein Absitzen am Wegrand.

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Es gibt Fälle, da kommt man als Hundehalter*in nicht umhin, sich professionelle Hilfe zu suchen. Hierfür den richtigen Moment abzupassen, ist nicht immer ganz einfach. Die folgende Übersicht kann eine Orientierungshilfe sein.

Du solltest dich an eine*n Hundetrainer*in oder Verhaltensberater*in wenden, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Dein Hund zeigt sehr starke Verhaltensreaktionen in Hundebegegnungen.
  • Trotz wochenlangen Trainings sind einfach keine Fortschritte erkennbar.
  • Du bist dir unsicher beim Einschätzen der Situationen, der Motivation deines Hundes oder seiner Körpersprache.
  • Du merkst, dass du keine Freude mehr an Spaziergängen mit deinem Hund hast und dass du sie stattdessen viel mehr als Belastung siehst.
  • Es gab in der Vergangenheit bereits Beißvorfälle oder brenzlige Situationen.
  • Du kannst deinen Hund nicht sicher halten oder er schadet beim Springen in die Leine seiner eigenen Gesundheit.

Fazit

Probleme bei Hundebegegnungen gehören zu den häufigsten Themen, mit denen wir Hundetrainer*innen konfrontiert werden. Dabei ist das Bellen nicht das eigentliche Problem, es ist ein Symptom. Wer nur versucht, das Bellen zu unterdrücken, übersieht oft die Ursache.

Nachhaltiges Training beginnt deshalb nicht mit Strafen oder dem Unterbinden von Verhalten, sondern mit der Frage: „Warum reagiert mein Hund so?“ Die Antwort darauf ist der Schlüssel. Wenn du die Bedürfnisse deines Hundes ernst nimmst, seine Körpersprache lesen lernst und das Training an den Ursachen statt an den Symptomen ansetzt, können Spaziergänge Schritt für Schritt wieder entspannter werden.

Eskalierende Hundebegegnung, zwei Hunde hängen pöbelnd in der Leine

Veröffentlichung: 23.07.2026

Wenn das Geschirr zur Herausforderung wird 
(ein Fallbeispiel)

Als Cuja zu mir kam, hatte er große Probleme mit seinem Geschirr. Allein schon das Tragen behagte ihm nicht, sodass er sich auf Spaziergängen häufig schüttelte und innerhalb von Gebäuden kaum eine Gelegenheit ausließ, sich an der Wand oder dem Treppengeländer entlang zu schubbern. Das Anziehen fand er noch unnötiger. Sobald man mit dem Geschirr in seine Richtung kam, duckte er sich, klappte die Ohren nach hinten und die Rute nach unten, schleckte sich über den Fang und sah aus, wie ein Häufchen Elend. Er zeigte starkes Meideverhalten. Hatte er das Geschirr dann angezogen, blieb er eingefroren stehen und mochte sogar seine heißgeliebten Kekse nur annehmen, wenn ich sie ihm direkt vor die Schnute hielt. 

Zuhause hatten wir recht schnell eine Routine entwickelt, sodass diese tägliche Tortur erträglich für ihn wurde. Er fand es zwar weiterhin blöd, ließ es aber dank Ankündigungen und viel Futterbelohnung über sich ergehen. Das Geschirranziehen in fremden Räumlichkeiten gestaltete sich weiterhin schwierig. Da lief er dann gern auch komplett vor mir weg und ich musste sehr kreativ werden, ihn doch zur Mitarbeit zu überreden.

Natürlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, statt des Geschirrs ein Halsband zu nutzen. Da Cuja aber in der Anfangszeit bei mir noch sehr schreckhaft war und bei Hundebegegnungen nicht selten massiv in die Leine ging, war dies einfach keine Option.

Also trainierten wir Geschirranziehen. Jeden Tag, bei jedem Gassigang und manchmal auch zwischen den Spaziergängen. Aber es wollte sich einfach kein nennenswerter Erfolg einstellen. Es war frustrierend!

Und dann kam der Durchbruch

Ich hatte zwischenzeitlich festgestellt, dass Cuja bei einigen Berührungen am Rückenbereich recht empfindlich reagierte. Strich man seitlich entlang der Wirbelsäule, zuckte die seitliche Rückenmuskulatur zusammen. Wir suchten eine Hundephysiotherapeutin auf, die tiefsitzende Verspannungen feststellte und ihn seither einmal wöchentlich massiert. Die Muskelkontraktionen wurden mal etwas besser, dann wieder schlimmer. 

Irgendwann im April hatten wir dann einen kleinen Durchbruch. Unsere Physiotherapeutin hat die Verspannungen gelöst gehabt und Cuja war bis zur nächsten Behandlung komplett beschwerdefrei. Und das war auch der Durchbruch für unser Geschirrtraining! Es gab endlich erste wirkliche Erfolge zu verbuchen. Cuja war nach wie vor zögerlich, zeigte noch immer Meideverhalten, fand das Geschirranziehen immernoch blöd. Aber er konnte nun endlich anfangen, eigenständig den Kopf durch das Geschirr zu stecken, ganz kleinschrittig, ganz vorsichtig.

Ab da ging es dann endlich vorwärts. Wir trainierten, wie gehabt, mehrfach am Tag. Ich plante vor jeder Gassirunde gute 10 Minuten zum Anziehen ein. Cuja brauchte diese Zeit. Hatte ich es doch mal eilig und machte ihm zu viel Druck, spürte ich die Auswirkungen spätestens bei der nächsten Trainingseinheit in deutlichen Rückschritten.

Im Laufe der Zeit kombinierte ich unterschiedliche Trainingsansätze. Ich veränderte meine Körperhaltung, arbeitete über klassische Gegenkonditionierung, verwendete die Therapeutische Futtersuche. Sein Leuchthalsband habe ich genutzt, um die Signale „Anziehen“ und „Ausziehen“ kontextunabhängig aufzubauen. Und ich habe in Gegenwart des Geschirrs und insbesondere zum Einstieg in unsere Trainingseinheiten andere kleinere Übungen abgefragt, um für gute Stimmung zu sorgen. So konnte Cuja mit einem ganz anderen Mindset in die Geschirr-Übung gehen.

Insgesamt haben wir enorme Fortschritte gemacht. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem er den Kopf eigenständig durch die Öffnung schiebt und sich auf den Belohnungskeks freut. Er friert längst nicht mehr ein, sobald sich die Schnallen schließen und kann sogar mit offen herunterhängendem Geschirr ein paar Schritte gehen. Das Tragen selbst bereitet ihm schon lange keine Schwierigkeiten mehr. 

All das Training war notwendig und wichtig, um ihm den Alltag zu erleichtern und den Stress vor jedem Gassigang zu minimieren. Eine wichtige Rolle hat aber auch die physiotherapeutische Behandlung gespielt, ohne die wir vermutlich noch nicht an diesem Punkt wären.

Fazit

Es gibt viele Gründe, warum ein Hund das Geschirr ablehnen kann:

  • unangenehme Lernerfahrung oder negative Verknüpfungen
  • ein unpassender Sitz
  • Unsicherheit oder Angst
  • das Gefühl von Kontrollverlust
  • als bedrohlich empfundene Körpersprache des Menschen beim Anziehen
  • Schmerzen und körperliches Unwohlsein 

Nicht jedes Stagnieren im Hundetraining ist auch tatsächlich ein Trainingsproblem. Wenn man trotz guter Planung und konsequenter Umsetzung kaum Fortschritte erzielt, lohnt sich daher immer auch ein Blick auf andere mögliche Ursachen.

Veröffentlichung: 10.07.2026

Hund und Hitze – So kommt dein Hund sicher durch die heißen Sommertage

Bis zu 40 Grad am Wochenende - eine echte Herausforderung für viele Hunde. Damit dein Vierbeiner gut durch die heißen Tage kommt, habe ich die wichtigsten Tipps für dich zusammengefasst.

Warum Hitze für Hunde gefährlich sein kann

Hunde können, im Gegensatz zu uns Menschen, nicht schwitzen. Ihre Temperaturregulierung erfolgt hauptsächlich über das Hecheln. Beim Hecheln strömt Luft über die feuchten Schleimhäute in Maul und Atemwege. Durch die Verdunstung von Feuchtigkeit wird das gut durchblutete Gewebe gekühlt. Das abgekühlte Blut verteilt sich anschließend im Körper und trägt so zur Temperaturregulation bei. 
Ist der Hund einer zu großen Hitze ausgesetzt, kann dies schnell zu Überhitzung führen. Typische Warnzeichen können sein (Liste unvollständig):

  • starkes, schnelles Hecheln
  • trockene, klebrige Maulschleimhäute
  • Unruhe
  • starkes Speicheln
  • Erbrechen
  • Desorientierung und Gleichgewichtsstörungen
  • Apathie (Teilnahmslosigkeit)
  • Kollaps

Besonders gefährdet sind sehr junge oder sehr alte Hunde. Aber auch brachycephale (kurzköpfige) Rassen, Hunde mit sehr langem oder sehr dichtem Fell, Übergewicht sowie Herz- oder Atemwegserkrankungen leiden besonders unter der Hitze.

So hilfst du deinem Hund sicher durch die heißen Sommertage

1. Spaziergänge anpassen.
Früh morgens und spät abends sind die Temperaturen am niedrigsten. Die längeren Gassirunden sollten auf diese Zeiten gelegt werden. Mittags geht’s dagegen nur kurz zum Lösen vor die Tür. Für die Spaziergänge eignen sich Strecken mit viel Schatten oder in der Nähe von zugänglichen Gewässern. Asphalt und Pflastersteine heizen sich in der Sonne enorm auf und sollten möglichst gemieden werden. Stattdessen bietet es sich an, auf Gras oder Waldboden zu laufen. 

2. Wasseraufnahme.
Viel trinken ist wichtig, besonders bei den angekündigten Temperaturen. Wasser auf längeren Spaziergängen ist aktuell Pflicht. Auch macht es Sinn, mehrere Wassernäpfe in der Wohnung zu verteilen, gern auch mit unterschiedlichem Wasser (frisch, etwas abgestanden, Regenwasser, etc.), sodass dein Hund ganz nach seinen Vorlieben wählen kann. Etwas Geschmack im Wasser kann zusätzlich zum Trinken animieren. 

3. Abkühlung.
Ermögliche deinem Hund kühle, schattige Liegeplätze. Eine Kühlmatte wird von vielen Hunden gern angenommen. Alternativ kannst du auch ein feuchtes Handtuch auf dem Boden ausbreiten, auf das sich dein Hund legen kann. Kühlwesten und -halsbänder können für einzelne Hunde eine gute Hilfe sein. Achte aber darauf, dass der Hund sie freiwillig trägt und jederzeit die Chance hat, sich der Kühlung zu entziehen. Wenn du die Möglichkeit hast, biete deinem Hund ein flaches Gefäß mit Wasser an, in dem er die Pfoten kühlen kann. Für wasserliebende Hunde bietet sich ein Planschbecken zum Reinlegen und Spielen an. Hast du diese Optionen nicht, kannst du alternativ mit einem nassen Handtuch das Fell deines Hundes etwas befeuchten. 

4. Beschäftigung anpassen.
Körperlich anstrengende Aktivitäten sollten natürlich vermieden werden. Stattdessen bieten sich einfache Schnüffel- und Suchspiele oder ruhige Denkaufgaben an. Trainingseinheiten sollten auf den frühen Morgen oder den späten Abend verlegt werden, wenn die Temperaturen nicht so extrem sind. Feuchtfutter kann auf der Schleckmatte, im Kong oder in ähnlicher Weise eingefroren und so als Eis angeboten werden. Das sorgt nicht nur für Beschäftigung, sondern gleichzeitig auch für eine willkommene Abkühlung. Achte bitte darauf, dass dein Hund nur kleine Mengen an Eis aufnimmt und keine größeren Eisklumpen schluckt, denn das könnte zu Magenbeschwerden führen. Trockenfutter kann in einer mit Wasser gefüllten Schüssel angeboten werden, aus der dein Hund die Futterbröckchen herausfischen darf. Taucht dein Hund den Kopf komplett unter, sorgt dies zusätzlich für Abkühlung. Leg am besten ein Handtuch drunter, das könnte sonst eine Sauerei geben.

5. Ruhe.
Viele Hunde haben bei Hitze ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Gönn deinem Hund die Ruhe und verschiebe Ausflüge oder Trainingseinheiten auf einen späteren Zeitpunkt.

6. Wahlmöglichkeiten schaffen.
Hunde sind Individuen. Nicht jeder Hund bevorzugt dieselbe Art und Weise, sich abzukühlen. Manche suchen gezielt das Wasser auf, andere liegen lieber auf dem kalten Kellerboden und wieder andere mögen den Luftzug des Ventilators. Biete deinem Hund nach Möglichkeit verschiedene Optionen zum Abkühlen an und lass ihn entscheiden, welche er am angenehmsten findet.

Erste Hilfe bei Überhitzung

Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Zeigt ein Hund Symptome wie Taumeln, Apathie, Kollaps, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit, sollte er sofort aus der Hitze gebracht, schnell und schonend gekühlt und umgehend tierärztlich behandelt werden. 

Bring dafür deinen Hund an einen schattigen Ort. Lasse ihm kühles (kein eiskaltes!) Wasser über Pfoten, Beine und Bauch laufen. Biete deinem Hund Wasser zum Trinken an, aber sorge auch hier dafür, dass das Wasser nicht eiskalt ist, um den Kreislauf nicht zu belasten. Fahre schnellstmöglich mit deinem Hund zur nächsten Tierarztpraxis, auch, wenn es deinem Hund inzwischen wieder besser zu gehen scheint. Während des Transports sollte die Kühlung unbedingt fortgesetzt werden. Wenn du dein Erscheinen dort bereits telefonisch ankündigst, kann das Praxisteam bereits erste Vorkehrungen treffen und deinem Hund schneller helfen.

Fazit

Heiße Sommertage können für Hunde schnell zur Belastung werden. Mit etwas Planung und Rücksicht lassen sie sich aber gut meistern. Passe Spaziergänge und Beschäftigung an die Temperaturen an, sorge für ausreichend Wasser und verschiedene Möglichkeiten zur Abkühlung und respektiere das erhöhte Ruhebedürfnis deines Hundes.

Beobachte deinen Vierbeiner aufmerksam und nimm Warnzeichen einer Überhitzung ernst. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu früh tierärztlichen Rat einholen als einmal zu spät.

Jeder Hund ist anders. Während der eine am liebsten im Wasser planscht, sucht der andere den kühlen Fliesenboden oder den Schatten unter einem Baum. Indem du deinem Hund verschiedene Möglichkeiten anbietest und ihn selbst entscheiden lässt, was ihm guttut, unterstützt du ihn dabei, sicher und möglichst entspannt durch die heißen Tage zu kommen.

Ich wünsche dir und deinem Hund einen schönen, sicheren und möglichst kühlen Sommer!

Veröffentlichung: 26.06.2026

Belohnung oder Bestechung - und warum der Unterschied wichtig ist

Sicher sind dir Aussagen wie 
„Der macht das nur fürs Futter!“
„Mit Leckerli kann ja jeder trainieren!“
„Ohne Futter hört der Hund nicht!“
„Das ist doch Bestechung!“
auch schon hier und da über den Weg gelaufen. Doch was ist da eigentlich dran? 

Um das zu ergründen, müssen wir uns einmal die Frage stellen, was eine Belohnung überhaupt ist und wo der Unterschied zwischen Locken, Belohnen und Bestechen liegt. Genau diese Begriffe werden in der Praxis nämlich häufig verwechselt.

Hunde lernen durch Konsequenzen

Hunde lernen, wie alle anderen Tiere auch, durch Konsequenzen. Verhalten, das sich lohnt, wird häufiger gezeigt. Das ist auf die Evolution zurückzuführen. Solange eine bestimmte Jagdmethode zum Erfolg, also dem Erlegen der Beute, führt, bleibt die Methodik erhalten. Ist sie nicht mehr erfolgreich, muss das Tier andere Strategien entwickeln, um überleben zu können.

Das gilt übrigens auch für uns Menschen. Wir arbeiten für unser Gehalt. Wir freuen uns über Lob und Anerkennung und streben nach Erfolgserlebnissen. Die Aussicht auf eine angenehme oder lohnenswerte Konsequenz motiviert uns, bestimmte Verhalten zu zeigen.

Was ist eine Belohnung bzw. eine Verstärkung?

Eine Verstärkung (oder umgangssprachlich: Belohnung) ist eine auf ein Verhalten folgende, angenehme Konsequenz. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Verhalten künftig wieder (häufiger/andauernder/intensiver) gezeigt wird.

Die Reihenfolge der Ereignisse ist relevant: Zuerst zeigt der Hund ein Verhalten. Dies kann nach einem Signal erfolgen, oder völlig freiwillig. Direkt danach folgt etwas für den Hund Angenehmes, z. B. Futter, Spiel, Sozialkontakt, Freilauf, oder ähnliches. 

Entscheidend ist, dass die Verstärkung erst nach dem Verhalten eingesetzt, und nicht vorher schon gezeigt wird.

Was bedeutet Locken?

Beim Locken wird ein angenehmer Reiz, z. B. Futter, eingesetzt, um ein Verhalten hervorzurufen. Diese Methode wird häufig angewandt, wenn der Hund eine Übung noch nicht kennt und mit dem Leckerchen in die gewünschte Position gelockt wird. Ein klassisches Beispiel ist das „Sitz“. Dabei führt der Mensch ein Futterstück über den Kopf des Hundes und der Hund setzt sich. 

Für den Aufbau neuer Verhaltensweisen kann das Locken sehr sinnvoll sein. Problematisch wird es jedoch, wenn man zu lang beim Locken bleibt.

Wann locken zum Trainingsproblem wird

Ein typischer Fehler beim Arbeiten über das Locken ist, dass das Futter als Lockmittel nicht rechtzeitig wieder ausgeschlichen wird. Der Mensch zeigt bei der Signalgabe „Sitz“ das Leckerchen und der Hund setzt sich. Ohne gleichzeitig präsentiertes Futter führt der Hund das erwünschte Verhalten dagegen nicht aus. Das sichtbare Leckerchen wird Teil des Signals.

Warum hört mein Hund ohne Leckerchen nicht?

Die häufigste Ursache ist nicht fehlender Gehorsam oder Manipulation, sondern ein unsauberer Trainingsaufbau durch den Menschen. Reagiert ein Hund nur dann zuverlässig auf ein Signal, wenn zuvor das Futter gezeigt wird, dann wurde nicht auf das Signal, sondern auf die Belohnungspräsenz trainiert.

Und was ist dann jetzt Bestechung?

Bestechung unterscheidet sich stark vom Verstärken, kann aber als eine Sonderform des Lockens betrachtet werden. Hierbei wird ein besonders attraktiver Reiz genutzt, um ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen oder zu „erkaufen“. Beispiel: Der Hund hat Angst vor dem Autofahren. Wird ihm ein Käsewürfel vor die Nase gehalten, steigt er trotzdem ins Auto. Der Hund wird also in einen starken Konflikt geführt, was für ihn sehr belastend sein kann.

Belohnungen sind mehr als Futter

Belohnungen werden oft mit Futter assoziiert, gehen aber weit darüber hinaus. Viele Dinge können Verstärker sein, abhängig von Kontext, Motivation, Bedürfnis, Gesundheit, Wohlbefinden und einigen weiteren Faktoren. Beispiele können sein:
 

  • Spielen
  • Kuscheln
  • Distanzgewinn
  • Freilauf
  • Schnüffeln
  • Buddeln
  • Sozialkontakt
  • Schreddern
  • etc.

Damit eine Belohnung auch wirklich zu einem Verstärker wird, also einen nachhaltigen Einfluss auf das Verhalten hat, muss es zum situativ vorherrschenden Bedürfnis des Hundes passen. Ein Hund, der Angst vor dem fremden Mann mit Regenschirm und wehendem Mantel hat, hat das Bedürfnis nach Abstand – nicht nach Spiel oder Futter.

Typische Missverständnisse

„Der macht das dann ja nur für Futter!“
Warum arbeiten Menschen für Geld? Warum freuen wir uns über Anerkennung? 

Verhalten wird durch Konsequenzen geformt. Verhalten, das sich lohnt, sich gut anfühlt und positive Effekte mit sich bringt, wird weiterhin gezeigt. Lohnt sich ein Verhalten nicht (mehr), lässt das Verhalten nach.

„Dann muss ich ja ein Leben lang belohnen!“
Jain. Verstärkung wird im Training aufgebaut, variiert und später reduziert. Sie verschwindet aber nie völlig auf dem Leben eines Lebewesens. Ein Verhalten muss lohnenswert bleiben.

„Früher ging das auch ohne Futter!“
Früher wurde häufiger über Druck und Korrektur gearbeitet. Die Hunde wurden gehemmt und „funktionierten“ aus Angst vor weiteren Sanktionen. Modernes Hundetraining betrachtet Lernen differenzierter und setzt auf Zusammenarbeit und Wohlbefinden - bei Mensch und Hund.

Fazit

Belohnung, Locken und Bestechung werden im Alltag oft in einen Topf geworfen. Es lohnt sich aber, diese Begriffe differenziert zu betrachten.

Eine Belohnung erfolgt nach einem Verhalten und macht dessen Auftreten für die Zukunft wahrscheinlicher. Locken dient dazu, ein Verhalten durch das Präsentieren von Futter hervorzurufen oder den Hund in eine bestimmte Position zu bringen. Bestechung hingegen versucht, ein Verhalten durch sehr attraktive Ressourcen zu erkaufen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob mit Belohnungen gearbeitet wird, sondern wie. Gut aufgebautes Training sorgt dafür, dass der Hund die Signale versteht, verlässlich darauf reagieren kann und dafür eine passende, bedürfnisorientierte Verstärkung erhält. Denn Belohnungen sind ein natürlicher Bestandteil des Lernens.

Veröffentlichung: 16.06.2026

Warum dein Hund nicht stur, dominant oder ungehorsam ist – modernes Hundetraining einfach erklärt

„Der macht das mit Absicht.“
„Der weiß ganz genau, dass er das nicht darf.“
„Der testet seine Grenzen aus.“

Diese und ähnliche Sätze begegnen mir im Hundekontext immer wieder, besonders, wenn es um Verhaltensprobleme beim Hund geht: Der Hund zieht an der Leine, bellt andere Hunde an, hört nicht auf den Rückruf und ignoriert scheinbar jede Ansprache und jedes Signal. Schnell entsteht der Eindruck, der Hund sei stur, dominant oder wolle sich bewusst über seinen Menschen hinwegsetzen.

Moderne Erkenntnisse im Hundetraining zeigen jedoch ein anderes Bild: Hunde handeln nicht gegen uns, sie handeln für sich.

Verhalten hat immer einen Grund

Hunde zeigen Verhalten nicht, um uns zu ärgern. Sie handeln nicht aus Boshaftigkeit oder Trotz und sie planen auch nicht, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Im Hundetraining ist einer der wichtigsten Grundsätze: Verhalten ist funktional. Jedes Verhalten hat ein Ziel.

Ein Hund, der andere Hunde anbellt, versucht möglicherweise Distanz aufzubauen, indem er den Fremdhund vertreibt.
Ein Hund, der den Rückruf ignoriert, hat vielleicht gerade etwas Spannendes gefunden, das für ihn im Moment eine höhere Priorität hat, als sein Mensch. 
Ein Hund, der an der Leine zieht, möchte eventuell einfach schneller zu der interessant duftenden Schnüffelstelle dort drüben gelangen.

Aus Sicht des Hundes ergibt sein Verhalten Sinn. Deshalb sollte die Frage nicht lauten:
„Wie unterbinde ich dieses Verhalten?“, sondern: „Warum zeigt mein Hund dieses Verhalten überhaupt? Was möchte er damit erreichen? Was ist sein Bedürfnis dahinter?“

Verhaltensprobleme beim Hund entstehen nicht aus Trotz

Wenn Hunde Verhaltensweisen zeigen, die für ihre Menschen problematisch sind, steckt häufig mehr dahinter als mangelnder Gehorsam oder Trotz.

Häufige Ursachen für Verhaltensprobleme beim Hund können sein:

  • fehlendes Training oder mangelnde Generalisierung
  • Unsicherheit oder Angst
  • Stress oder Überforderung
  • Frustration
  • hohe Erregungslage (Aufregung)
  • unerfüllte Bedürfnisse
  • gesundheitliche Faktoren

Ein Beispiel ist die sogenannte Leinenaggression. Viele Hunde bellen oder reagieren an der Leine auf andere Hunde durch Knurren und Vorspringen. Das wird oft als Dominanz oder mangelnder Gehorsam (fehl-)interpretiert. Tatsächlich steckt jedoch häufig Unsicherheit oder Frustration dahinter.

Die Entstehung des Dominanz-Mythos im Hundetraining

Die Vorstellung von „dominanten Hunden“ geht auf frühe Studien zu Wölfen in Gefangenschaft zurück. In diesen künstlich zusammengestellten Gruppen einander fremder Wölfe kam es zu Konflikten, beispielsweise um Ressourcen, die damals fälschlicherweise als feste Rangordnung oder Hierarchie interpretiert wurden.

Diese Annahmen wurden lange Zeit auf Haushunde übertragen. Es entstand die Idee, Hunde würden aktiv versuchen, Menschen zu „dominieren“ oder ihre soziale Rangposition zu erhöhen. So erklärte man sich problematische Verhaltensweisen.

Heute weiß die moderne Verhaltensforschung: Haushunde leben nicht in Rangsystemen mit ihren Menschen. Stattdessen wird Verhalten stark durch Lernen, Erfahrungen, Emotionen und Kontext beeinflusst.

Viele Verhaltensweisen, die früher als „dominant“ galten, wie Leineziehen, Bellen oder Ressourcenverteidigung, lassen sich heute durch Bedürfnis, Motivation und emotionale Zustände erklären.

Der Dominanz-Mythos im Hundetraining führt trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse auch heute noch oft dazu, dass Hunde missverstanden werden und mit Druck oder Hemmung gearbeitet wird, anstatt die wirklichen Ursachen zu betrachten.

Warum Strafen keine nachhaltige Lösung sind

Die Gesellschaft verlangt viel von Hunden. Wenn ein Verhalten unangenehm oder peinlich ist, gibt es schräge Blicke, Augenrollen oder abwertendes Kopfschütteln von außen. Das ist belastend und viele Menschen wünschen sich schnelle Lösungen, um mit ihrem Hund nicht mehr negativ aufzufallen. Das ist nachvollziehbar.

Doch Maßnahmen, die lediglich darauf abzielen, unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken, lösen das eigentliche Problem nicht. Das Verhalten wird gedeckelt, aber die Emotionen und Bedürfnisse bleiben bestehen.

Nachhaltiges, bedürfnisorientiertes und faires Hundetraining setzt nicht beim Symptom an, sondern bei der Ursache.

Nicht die Frage „Wie verhindere ich das Verhalten?“ steht im Fokus, sondern „Was braucht mein Hund, um anders handeln zu können?“

Modernes Hundetraining betrachtet Ursachen statt Symptome

Gewaltfreies Hundetraining und bedürfnisorientiertes Hundetraining basieren auf der Erkenntnis, dass Lernen am besten in einer Umgebung funktioniert, in der sich der Hund sicher fühlt.

Dazu gehört:

  • die Ursachen von Verhalten zu verstehen
  • die Emotionen des Hundes ernst zu nehmen
  • passende (Zwischen-) Trainingsschritte aufzubauen
  • erwünschtes Verhalten gezielt zu fördern
  • den Alltag so zu gestalten, dass Training erfolgreich werden kann

Das bedeutet nicht, dass Hunde alles dürfen oder keine Regeln und Grenzen brauchen. Es bedeutet vielmehr, dass wir ihnen helfen, die gewünschten Verhaltensweisen erfolgreich und mit Freude zu lernen.

Was du im Alltag stattdessen tun kannst

Wenn dein Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, ist der wichtigste erste Schritt nicht Korrigieren oder Unterbinden, sondern Beobachten und Verstehen. Statt direkt zu reagieren, können dir diese Fragen helfen:

  • In welcher Situation tritt das Verhalten auf? 
  • Wie nah ist dein Hund an einem möglichen Auslösereiz (z. B. andere Hunde, Menschen)? 
  • Wie hoch ist die Erregung oder Anspannung deines Hundes in diesem Moment? 
  • Was könnte dein Hund in dieser Situation erreichen oder vermeiden wollen? 

Allein dieses kurze Innehalten verändert oft schon Fokus und Perspektive im Hundetraining.

Im nächsten Schritt geht es darum, deinem Hund Alternativen anzubieten, die er auch umsetzen kann. Das bedeutet zum Beispiel:

  • Distanz zu auslösenden Reizen vergrößern, bevor der Hund „über seine Grenze“ kommt
  • ruhiges und erwünschtes Verhalten gezielt verstärken
  • einfache, bereits bekannte Signale in verschiedenen Situationen festigen
  • Managementmaßnahmen nutzen (z. B. Distanz, Leine, Umfeldgestaltung), um ein Umlernen überhaupt möglich zu machen

Dein Hund lernt nicht durch Druck oder Korrektur, sondern durch positive Erfahrungen und Wiederholungen in bewältigbaren Situationen. Je einfacher du die Bedingungen gestaltest, desto eher kann dein Hund erwünschtes Verhalten überhaupt zeigen und festigen.

Mein Ansatz im Hundetraining

In meiner Arbeit steht nicht allein das sichtbare Problemverhalten im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, unter welchen Bedingungen es entsteht und welche Funktion es für den Hund hat.

Statt ein Verhalten isoliert zu betrachten, schaue ich darauf, wie der Hund seine Umwelt wahrnimmt, welche Erfahrungen er in seiner Vergangenheit gemacht hat und welche Strategien ihm bisher zur Verfügung stehen.

Ziel ist nicht, unerwünschte Verhaltensweisen „wegzutrainieren“, sondern dem Hund neue, machbare Verhaltensalternativen zu zeigen und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass diese überhaupt möglich werden. So entsteht bedürfnisorientiertes Hundetraining, das auf Entwicklung statt auf Unterdrückung setzt.

Fazit

Dein Hund ist nicht stur, dominant oder ungehorsam. Er zeigt Verhalten, das aus seiner Sicht sinnvoll ist. Wenn wir verstehen, warum Hunde handeln, wie sie handeln, entsteht ein ganz neuer Blick auf Hundeverhalten – und damit auch auf unser Training.

Modernes Hundetraining bedeutet nicht Kontrolle, sondern Verständnis, Kommunikation und passende Lernbedingungen.

Hundetrainerin mit einem Hund in einer Trainingssituation

Veröffentlichung: 04.06.2026

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